Kategorie-Archiv: Kinos

Film ab! – Das rundum erneuerte Neue Rex im SZ-Portrait

Vollständigen Artikel lesen (erschienen am 17. August 2016)

Im Laimer Traditionskino „Neues Rex“ wird nach umfangreichem Umbau das nächste Kapitel aufgeschlagen

Von Sonja Niesmann, Laim

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Thomas Wilhelm ist der gute gelaunte Steuermann an Bord seines neuen Neuen Rex. (Foto: Robert Haas)

Ganz dezent, ohne jedes Aufheben hat sich das Laimer Lichtspielhaus, das vier Monate lang wegen Umbau geschlossen war, wieder hineingeschlichen ins Kinogeschehen – ohne Sekt, Girlanden oder Ansprache. Ja, sagt Thomas Wilhelm etwas atemlos, er hätte auch lieber etwas glanzvoller wiedereröffnet und Zeit gehabt für ein paar Testläufe – „nicht vorne die Kunden rein, hinten die Techniker raus und ich ein Nervenbündel“. Aber damals im April, nach der vorerst letzten Vorstellung, hat er versprochen, im Sommer mit dem Film „Schweinskopf al dente“ wiederzueröffnen – und die Krimikomödie lief nun mal an jenem Abend an. Und obwohl Wilhelm und sein Team in der Hektik sogar die Termine zu spät rausgegeben haben und das Neue Rex in den Wochenprogrammspalten nicht auftauchte, hatte sich die Nachricht unter den treuen Fans herumgesprochen. Die Abendvorstellung von „Schweinskopf al dente“ war ausverkauft, auch bei „Toni Erdmann“ blieben nur einige Plätze leer. Und das Nervenbündel Wilhelm konnte durchschnaufen – Bild und Ton waren tadellos, „nur die Lüftung funktionierte noch nicht einwandfrei“.

Zwei Säle hat das runderneuerte Rex jetzt. In Kino 1, dem alten, verkleinerten Saal, gibt es sieben Reihen – und die wunderbaren samtenen roten Sessel, ein Markenzeichen des Kinos. In den ersten drei Reihen sind es die alten Sessel, in den anderen neue, in Farbe und Stoff passend. Kino 2 mit sieben Reihen, zu dem eine Rampe zwischen goldbronzierten Wänden sanft hinabführt, ist ganz in Blau gehalten, Sessel wie Tapeten. Neues auch im renovierten, aber kaum veränderten Foyer des Kinos: eine Süßigkeiten-SB-Bar mit Jelly Beans, Brausetabletten und Weingummis. 169 Plätze gibt es im Neuen Rex jetzt, zwei mehr als zuvor. Und das Wichtigste: Es können jetzt doppelt so viele Filme gezeigt werden wie zuvor.

Fenster ins wahre Leben – Kino-Serie der Süddeutschen Zeitung VII

Vollständigen Artikel lesen (erschienen am 3. August 2016)

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Christian Pfeil betreibt in München zwei Kinos, darunter das Monopol an der Schleißheimer Straße. (Foto: Stephan Rumpf)

In der loungeartigen Kinobar stehen neben jedem der 32 breiten Sessel Schirmlämpchen und kleine Beistelltische für Getränke. Links von der mit einem roten Vorhang verdeckten Kinoleinwand schmiegt sich dezent die geschwungene Bar ins Eck. Das Ganze wirkt wie ein privates Kabarett aus den Zwanzigerjahren. Während der 46-Jährige, der in München auch noch das „Arena“ an der Hans-Sachs-Straße betreibt, durch das Gebäude wirbelt und von seinem Kino schwärmt, tauscht er nebenbei den neuesten Filmklatsch mit Lysann Windisch aus. Sie ist eine von drei Kulturwissenschaftlerinnen, die im Monopol die Programmvorauswahl treffen und Spezialreihen vorbereiten. So zum Beispiel die gerade laufenden Filmkunstwochen, bei denen das Monopol mit dem Schwerpunkt „Beste gute Filme“ Kinofilmen eine zweite Chance gibt, die im Mainstream-Kino nur kurz zu sehen waren.

Filmpalast im Hinterhof – Kino-Serie der Süddeutschen Zeitung VI

Vollständigen Artikel lesen (erschienen am 4. August 2016)

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Ins Kino hineingeboren: Elisabeth Kuonen-Reich, viel beschäftigte Betreiberin des Rio Filmpalastes am Rosenheimer Platz. (Foto: Catherina Hess)

Es ist gar nicht so leicht für Elisabeth Kuonen-Reich, Zeit für ein Gespräch zu finden, so viel ist in ihrem Rio zu tun: Die Eröffnungsfeier der 64. Filmkunstwochen fand hier statt, das Herbstprogramm muss geplant und Stammgäste im hauseigenen Café betreut werden. „Ein Kino ist ein Vollzeit-Job“, sagt Kuonen-Reich. Kaum einen Moment kann sie ruhig am Tisch sitzen, hat ein Auge auf alles, was in ihrem Filmpalast am Rosenheimer Platz passiert. „Angeboren“ wurde ihr dieses „Kino-Gen“, sagt sie. Bereits der Großvater war Kinobetreiber, die Eltern führten erst ein Haus in Nürnberg und gründeten dann in München den Familienbetrieb im neugebauten Rio. Kuonen-Reich wurde 1961 kurz nach der Eröffnung „sozusagen ins Kino hineingeboren.“ Einen einzelnen Saal mit 700 Plätzen hatte das neue Lichtspielhaus, dieser steht im Hinterhof eines Wohnblocks. Die Häuserfront teilt sich das Rio mit einem Bäcker, einer Apotheke und einer Bank. „So wurden eben in den Sechzigern die Kinos gebaut, mitten in die Nachbarschaft hinein.“ Vierzehn Kinos gab es damals in Haidhausen, nur das Rio hat die Jahre überlebt, aber Umbauten waren nötig. Aus dem Saal wurden ein „roter Salon“ mit 350 und ein blauer mit 100 Sitzen.

Pioniergeist im Rücken – Kino-Serie der Süddeutschen Zeitung V

Vollständigen Artikel lesen (erschienen am 31. Juli 2016)

Das Studio Isabella als Zeugin des alten Schwabing

Von Barbara Hordych

Das Studio Isabella gehörte einst Münchens Filmpionier Fritz Falter – 1980 übernahm es Louis Anschütz (Foto: Europa Cinemas)
Das Studio Isabella gehörte einst Münchens Filmpionier Fritz Falter – 1980 übernahm es Louis Anschütz (Foto: Europa Cinemas)

Am leichtesten findet man Louis Anschütz nach wie vor mitten in Schwabing, im Studio Isabella, hinter der Theke des kleinen Foyers mit den genau zwei Samtklappsitzen. Vielleicht 25 Zuschauer haben sich an diesem Freitagnachmittag in dem Ein-Leinwand-Kino versammelt, um mit Carlo Sauras Dokumentation „Argentina“ eine Kulturreise nach Lateinamerika anzutreten. „Vom Ton her ein schwer einzustellender Film; richtet man sich nach den leisen Tönen, werden die lauten rasch zu laut. Als ich mich aber nach den lauten Tönen gerichtet habe, stand auf einmal ein Zuschauer vor mir, der sich beklagte, er würde nichts verstehen“, erzählt Anschütz, während er vorsichtig am Regler dreht. Ein Gespräch mit dem Kinobetreiber über das Studio Isabella umspannt mal eben mehrere Jahrzehnte Münchner Kinogeschichte. Er hat in den Sechzigerjahren erst Germanistik und anschließend an der Filmhochschule in München studiert und beide Studiengänge abgeschlossen, darauf legt er Wert. 1980 übernahm Anschütz mit dem „Isabella“ eines der Filmkunst-Studios von Münchens Filmpionier Fritz Falter, der die nun schon 64 Jahre währende Tradition der Filmkunstwochen begründete. Von Falters 1970 geschlossenem „Occam-Filmtheater“, dem ersten Filmkunsttheater der Bundesrepublik überhaupt, zeugt eine wunderschöne großformatige Schwarz-Weiß-Aufnahme, die hinter der Theke, in Anschütz‘ Rücken, hängt.

Film- und Lebensgeschichte sind bei ihm unmittelbar verschränkt, seine Erinnerungen reichen von der wild in seiner Wohnung feiernden Fassbinder-Clique bis hin zum Filmcasino am Odeonsplatz. Das Bedauern über den Verlust dieser glanzvollen großen Schwester des eher unscheinbaren Isabella-Studios schwingt in seinen Erzählungen immer mit. Mitte 2011 geschlossen, ist das Filmcasino heute ein Nachtclub. Geblieben sind ihm von dem traditionsreichen Premierenkino eine Handvoll Mitarbeiter, die sich mit ihm hinter der Theke des „Isabella“ abwechseln. Neben ausgewählten aktuellen Filmen laufen jeden Mittwoch spanischsprachige Originalfilme mit Untertiteln; als Beitrag zu den 64. Filmkunstwochen hat sich Anschütz auf die drei Kubrick-Filme „Clockwork Orange“, „Eyes Wide Shut“ und „2001 – Odyssee im Weltraum“ beschränkt.

Voller Einsatz für das Viertel – Kino-Serie der Süddeutschen Zeitung IV

Vollständigen Artikel lesen (erschienen am 2. August 2016)

Mainstream mit Anspruch: Thomas Wilhelm und sein „Neues Rottmann“
Von Karen Bauer

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Das „Rotti“, wie Thomas Wilhelm sein Kino in der Maxvorstadt nennt, war einst Gastarbeiterkino. 2001 wurde es renoviert, der Charakter blieb. (Foto: Lukas Barth)

Für die Filmkunstwochen hat Wilhelm zurückgeblickt: Welche Filme haben das Kinojahr geprägt und gehören noch einmal auf die Leinwand? Durch Mainstream-Filme mit Anspruch hebt sich sein Programm von den eher auf Filmkunst gepolten Arthouse-Kinos in der Nachbarschaft ab. So spielt Wilhelm in diesen Sommerwochen etwa die Hitler-Satire „Er ist wieder da“, die durch hintersinnigen und bitterbösen Humor auffällt und bei der Wilhelm selbst sich den einen oder anderen Lacher verkneifen musste. Aber auch die politisch ambitionierte Mockumentary „Taxi Teheran“ oder die Verfilmung des Bestsellers „Die dunkle Seite des Mondes“ stehen auf dem Programm. Mit Filmklassikern hingegen können kleine Kinos wie das Neue Rottmann heute nicht mehr punkten, glaubt er. „,Vom Winde verweht‘ lief heute schon oft im Fernsehen, oder die Leute haben den Film auf DVD.“ Sein Credo: „An Schönheit sterben will ich nicht.“ Wilhelms Kinos müssen rentabel sein. Bei der Programmauswahl setzt er, der selbsternannte „Dino“ im Kinogeschäft, deswegen auch auf Rahmenprogramm: „Der Zuschauer will heute ein Event haben.“ Eine große Leinwand allein reicht da nicht mehr aus. So schleuste Wilhelm mit „Nicht alles schlucken“ einen Dokumentarfilm über Psychopharmaka in die Filmkunstwochen. Im Anschluss an die Vorstellung konnten die Besucher mit dem Co-Regisseur Piet Stolz und Stephan Mirisch, dem Leiter einer Tagesklinik für psychisch Kranke, über die Gute-Laune-Pillen diskutieren. So wird aus dem Kinobesuch ein abendfüllendes Event.

Wenn der Saal voll ist und Wilhelm hinterher die glücklichen Gesichter sieht, dann ist er zufrieden. Oft bedankten sich Besucher bei ihm dafür, dass er weitermacht. Aber das funktioniert nur als Symbiose: „Kleine Kinos können nur bestehen, wenn die Leute hingehen.“

Nachtblaue Kinoträume – KINO-Serie der Süddeutschen Zeitung III

Vollständigen Artikel lesen (erschienen am 1. August 2016)

Das Filmeck Gräfelfing ist mehr als eine gemütliche Vorstadt-Institution. Werner Scholz‘ Spielstätte kommt weitgehend ohne Blockbuster und Mainstream aus. Für sein anspruchsvolles Programm erhält er Jahr für Jahr Förderpreise
Von Oliver Hochkeppel

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88 bequeme Polstersessel hat das Kino von Werner Scholz. Wer hier Platz nimmt, bekommt Filmkunst aus aller Welt geboten. (Foto: Catherina Hess)

Seit jeher ist er bei den Filmkunstwochen dabei, mit denen die Münchner Filmkunstkinos nicht nur die Saure-Gurken-Zeit, sondern auch die stiefmütterliche Behandlung durch die Verleihe überbrücken wollen. Allerdings früher ein paar Jahre mit eigenem Programm und eigener Zählung der „Gräfelfinger Filmkunstjahre“. „Damals wollten die anderen ein reines Münchner Filmkunstfestival machen und mich draußen haben“, sagt Werner Scholz. Das ist lange passé, in diesem Sommer ist er wieder regulär dabei, mit Dokumentationen wie dem Porträt von „Peggy Guggenheim – Ein Leben für die Kunst“, mit Preisgekröntem wie dem aktuellen Starter-Filmpreis-Sieger „Waldeslust“ oder dem Deutschen-Filmpreis-Gewinner „Der Staat gegen Fritz Bauer“, und mit Klassikern wie „Harold und Maude“.

Der Regisseur Peter Goedel hat seinen Film „Tanger – Die Legende einer Stadt“ vorgestellt, Wolf Gaudlitz seinen „Sahara Salaam“; dessen Klassiker „Taxi Lisboa“ kommt zum Schluss, davor laufen noch die Gewinner des Bayerischen Filmpreises, „Colonia Dignidad“ und „Grüße aus Fukushima“ sowie Maria Schraders „Vor der Morgenröte“. Lauter Filme ganz nach dem Geschmack von Werner Scholz.