Bollerwagenkino findet heute statt!

Wetter ist immer: Diesmal könnte uns fast der Regen den Strich durch den schönen Bollerwagen-Abend machen. Die Regenwahrscheinlichkeit liegt aber um 21 Uhr nur bei 24%. Also, wir riskieren es! Die Veranstalter sind da, und für alle Wankelmütigen gibt es den Ausweichtermin heute in einer Woche, 14.8. same place, same time.

Impressionen von der Eröffnung

Impressionen von der Eröffnung der 67. Filmkunstwochen München. Erstmals war es begleitet von einem Straßenfest, mit dem Louis Anschütz den 100. Geburtstag seines Studio Isabella beging. Es war toll!

Shakespeare im Kino

Mit der Reihe Shakespeare im Kino verwirklicht der ABC-Kinobetreiber Thomas Kuchenreuther ein von langer Hand vorbereitetes Programm. Der Filmkritiker Georg Seeßlen stellte fest, dass der englische Dramatiker den wohl größten Einfluss auf die Filmgeschichte hat.

„Es finden sich so viele Motive Shakespeares in der Kinogeschichte, dass man meinen könnte, er habe die Filmkunst erfunden. Ein guter Shakespeare-Film muss nicht viel von Shakespeare zeigen. Er muss mit Shakespeare sehen. “ (Georg Seeßlen)

Lesen Sie hier eine ausführliche Ankündigung von Fritz Göttler (Süddeutsche Zeitung).

© Orson Welles, Chimes at Midnight (1965)

Falstaff | Chimes at Midnight
So 28.7. 15:30 (dt.) | Do 8.8. 20:15 (OmU) ABC

FR/ES/CH 1965 | 112 Min | R: Orson Welles | Mit Orson Welles, Jeanne Moreau
Welles vereint Shakespeares Königsdramen „Heinrich IV.“, „Heinrich V.“, „Richard II.“ und die Falstaff-Komödie „Die lustigen Weiber von Windsor“ in eindrucksvollen impressionistischen Bildern mit großartigen Schauspielern.

“Falstaff ist wie ein mit Lastern geschmückter Weihnachtsbaum. Der Baum selbst ist völlige Unschuld und Liebe.”  (Orson Welles)

© John Ford, My Darling Clementine (1946)

My Darling Clementine
Mo 29. 7. 20:15 (OmU) | Di 30.7. 16:00 (dt.) | Fr 9.8. 16:00 (dt.) ABC

US 1946 | 97 Min | R: John Ford | Mit Henry Fonda, Linda Darnell
Frontier-Rache-Western, der in Tombstone fast zum Stillstand kommt, als ein trunkener Schauspieler im Saloon im „Hamlet“- Monolog stecken bleibt und Doc Holiday ihm weiterhilft. Der eine ist so ratlos wie der andere kurz darauf tot.

“MY DARLING CLEMENTINE ist der größte mythopoetische Western“  (Joe Hembus, Westernlexikon)

© Akira Kurosawa, Das Schloss im Spinnwebwald (1957)

Das Schloss im Spinnwebwald | Kumonosu-jō
Mi. 31. 7. 20:15 (OmU) | Do 1.8. 15:45 (OmU) | Mo 12.8. 15:30 ABC (OmU)

JP 1957 | 105 Min | R: Akira Kurosawa | Mit Toshiro Mifune
Shake­speares „Macbeth“ um den Aufstieg und Nieder­gang des königlichen Heerführers überträgt Kurosawa ins historische Japan und vereint das Stück auf bahnbrechende Weise mit der forma­li­sierten Ästhetik des japanischen Nō-Theaters.

Hintergrund: Die Nähe zum Theater ist eine der Besonderheiten des frühen japanischen Kinos. Anders als im Westen, wo die Bilder “laufen lernten” und als Fortentwicklung der Fotografie gesehen wurde, galt das Kino in Japan als Bühnenkunst. Wie das Kabuki und das Nō-Theater hatte das Kino einen “Filmerklärer” (benshi), der mit im Kinosaal saß und den Zuschauern das Gesehene erklärte. Dies war einer der Gründe, warum sich der Tonfilm in Japan erst ab 1931 durchsetzte. Akira Kurosawa verschmelzt in DAS SCHLOSS IM SPINNWEBWALD das westliche Drama mit der östlichen Theatertradition.

“Die Elemente des Nō sind besonders in der Figur der Asaji fokussiert, eine interessante Variante wenn man bedenkt, dass Frauen erst wenige Jahrzehnte vor dem Dreh des Films erstmals Rollen in Nō-Aufführungen spielen durften. Auffallend sind besonders Asajis starres, ausdrucksloses Gesicht, das an eine Noh-Maske erinnert sowie ihre manierierten, minimierten Bewegungen. Dazu kommt noch die Inszenierung ihrer Auftritte, die sie fast immer in einem bühnenartigen räumlichen Kontext zeigen. Am konzentriertesten treten alle diese Motive in ihrer finalen Szene auf, in der sie, dem Wahnsinn verfallen, verzweifelt versucht, das Blut und damit ihre Schuld von ihren Händen zu waschen.” (Japankino)

We proudly present: die STARTER-Filme!

“Film ab für den jungen Film!” heißt es beim STARTER Filmpreis seit 1985. Ausgezeichnet werden mit ihm verheißungsvolle Talente der Stadt München. Berühmte Preisträger sind darunter, wie Philip Gröning (1987), Rainer Kaufmann (1991), Romuald Karmakar (1992), Hans-Christian Schmid (1993), Uli Kick (1996), Maren Ade (2001), Ralf Westhoff (2003) oder Oliver Haffner (2007).

© Benedikt Schwarzer, Die Geheimnisse des schönen Leo
© Benedikt Schwarzer, Die Geheimnisse des schönen Leo

Ralf Westhoff präsentiert bei den 67. Filmkunstwochen seinen damaligen Preisträgerfilm SHOPPEN, den er mit Christian Pfeil, heute Betreiber der Münchner Kinos Monopol und Arena, gedreht hat (Maxim, Donnerstag, 1.8., 19 Uhr, Karten: 089 / 89 05 99 80). Oliver Haffner bittet zum Weißwurstfrühstück vor seinem Film WACKERSDORF, der dieses Jahr mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet wurde (Rio, Sonntag, 11.8., Weißwurstfrühstück 11 Uhr, Filmbeginn 12 Uhr, Karten: 089 / 48 69 79). Von Isa Willinger (Preisträgerin 2014) präsentieren wir den für den Deutschen Filmpreis nominierten Dokumentarfilm HI, AI, in dem es um Künstliche Intelligenz und Roboter geht. BR-Journalistin Gabriele Knetsch unterhält sich nach dem Film mit der Filmkritikerin Dunja Bialas (artechock) und beantwortet Fragen des Publikums (Rio, Dienstag, 30.7., 18:00 Uhr, Karten: 089 / 48 69 79).

Die dieses Jahr mit dem STARTER-Filmpreis ausgezeichneten Werke werden in zwei Programmen präsentiert. Bendikt Schwarzer hat mit DIE GEHEIMNISSE DES SCHÖNEN LEO seinem Großvater  nachgespürt, Bundestagsabgeordneter der Bonner Replik. Er stößt auf die Spuren von Geldkoffern, Stasi-Kontakten und auf ein geheimgehaltenes Doppelleben. Ein Krimi, den das Leben schrieb (City Kinos, Donnerstag, 25.7., 21:15 Uhr, zu Gast: Benedikt Schwarzer, Karten online und unter: 089 / 59 19 18).
© Lene Pottgießer und Christian Hödl, Fame
© Lene Pottgießer und Christian Hödl, Fame

Unser zweites Programm mit drei Kurzfilmen zeigt, wie vielfältig, innovativ und ausgefeilt die Preisträgerfilme diesmal wieder sind. Lisa Voelter hat mit HAUPTINISTITUT FÜR SEELISCHE GESUNDHEIT
ein vielschichtiges Drama über die seelische Gratwanderung einer Frau geschaffen, die gegen ihren Willen in die Psychiatrie gerät. FAME von Lene Pottgießer und Christian Hödl spielt in Niederbayern (es wird schönstes Bayrisch gesprochen) und persifliert eine bekannte Model-Casting-Show. Alex Schaad bekam für seinen Kurzfilm ENDLING über einen Bergmann unter Tage, dessen Zeche schließt, bereits den Studenten-Oscar. Sein realitischer Spielfilm mit einem beeindruckenden Bernd Grawert (Thalia Theater) erhielt den STARTER-Produktionspreis (Maxim, Montag, 29.7., 19 Uhr, die Filmmacher sind anwesend! Karten: 089 / 89 05 99 80)

Programmheft zum Schmökern

Blättern Sie jetzt in unserem Programmheft und entdecken Sie die Vielfalt der 67. Filmkunstwochen! Hier gibt es das Programmheft zur Ansicht (PDF).

Das Programm, das alle Kinobetreiber*innen persönlich zusammengestellt haben, kann sich sehen lassen. Ein Schwerpunkt ist Münchner Regie & Starter Filmpreis. Hier erwarten wir zahlreiche Gäste, darunter Doris Dörrie, Caroline Link, Dagmar Knöpfel, Wolf Gaudlitz, Peter Goedel, Marcus H. Rosenmüller.
Mit Shakespeare im Kino zeigt das ABC Kino eine umfassende Schau zur nicht enden wollenden Begeisterung des Kinos für die Stoffe und Dramen Shakespeares.
Aus Liebe zum Kino heißt dieses Jahr wieder die Retrospektive mit Filmklassikern in der Theatiner Filmkunst, bei der wieder der 35mm-Filmprojektorangeworfen wird!
Im Studio Isabella gibt es eine Werkschau zu Pedro Almódovar mit den Werken, die man noch nicht so oft oder sogar noch gar nicht zu sehen bekam. Starke Diven heißt die gemeinsame Reihe der teilnehmenden Kinos City/Atelier, Filmeck Gräfelfing (Edda Seipel!), Neues Maxim, Museum Lichtspiele, Neues Rex, Rio Filmpalast und Neues Rottmann.
In unserem Rahmenprogramm gibt es wieder Bollerwagenkino und eine Filmtour mit Klaus Lemke. Außerdem erwarten Sie bei den Late Night Film Lectures Skurrilitäten und Raritäten der Filmgeschichte!


Das Programm der 67. Filmkunstwochen

Download Programmübersicht (PDF)

Hier sind unsere Reihen!

Münchner Regie & Starter Filmpreis
Zu Gast: Doris Dörrie, Wolf Gaudlitz, Peter Goedel, Oliver Haffner, Dagmar Knöpfel, Caroline Link, Marcus H. Rosenmüller, Walter Steffen und die Gewinnerinnen und Gewinner des STARTER Filmpreises 2019!
Shakespeare im Kino
Filmklassiker zeigen die Shakespeare-Faszination des Kinos. U.a. mit HAMLET, SEIN ODER NICHTSEIN und MY DARLING CLEMENTINE.
Aus Liebe zum Kino
Godard Revisited, Au revoir Agnès Varda, Bibi Andersson, Ermanno Olmi, „Années érotiques” und Kulturhauptstadt Matera – auf 35mm!
Pedro Almodóvar
LEID UND HERRLICHKEIT ist der Eröffnungsfilm der Filmkunstwochen! Retro mit den ersten und späteren Filmen des spanischen Altmeisters.
Starke Diven
Filme mit Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, Margot Robbie, Nicole Kidman und natürlich Juliette Binoche!
Kino Spezial
MonGay, Münchner G’schichten, Psychiatrie im Film und 100 Jahre Studio Isabella– Spezialitäten der Münchner Arthouse-Kinos.
Filmstadt München
DOK.fest, Griechische Filmwoche, Türkische Filmtage und Bollerwagenkino stellen sich vor – mit vielen Gästen und Open Air!
Hitzefrei
„Unterwegs” und “Kapitale Filme”: Wir haben die ungewöhnlichsten, schönsten und prägendsten Filme des vergangenen Kinojahrs gesammelt. Nehmen Sie sich hitzefrei!
Previews
Upcoming films, u.a. FISHERMAN’S FRIENDS und Quentin Tarantinos ONCE UPON A TIME IN… HOLLYWOOD – unser Abschlussfilm!
Bollerwagenkino & Late Night Film Lectures
Diesmal geht es bei unserer Filmwanderung in den Arabellapark.
Lectures zu bizarren TV-Kinder-Shows und rund um Helmut Förnba- chers kultigen Kriminalfilm SOMMERSPROSSEN (1968).

Wir trauern um Elisabeth Kuonen-Reich

Elisabeth Kuonen-Reich (1961-2019) Foto: Catherina Hess
Elisabeth Kuonen-Reich (1961-2019)
Foto: Catherina Hess

Im April 2019 ist die Betreiberin des Rio Filmpalasts völlig überraschend verstorben. Ihr Verlust reißt eine große Lücke in die Kinofamilie Münchens. Die Filmkunstwochen München sind voller Anteilnahme mit der Familie Reich, sowie Ehemann Daniel Kuonen und den beiden Söhnen.

“Ein Leben für das Kino” schreibt Filmkritikerin und Filmkunstwochen-Leiterin Dunja Bialas in Andenken an Elisabeth Kuonen-Reich. Und nimmt mit diesen Worten Abschied von ihr:

“Liebe Elisabeth, leider wirst Du an diesen Ort niemals mehr zurück­kehren. Noch können wir uns das Rio ohne Dich überhaupt nicht vorstellen. Du wusstest, was Du für eine große Aufgabe hattest, das »Fami­li­en­erbe weiter­zu­tragen«, wie Du uns erzählt hast, weil Deine Groß­el­tern für das Kino sogar ihren Bauernhof verkauft hatten. Wir alle, die Dich kannten, werden dafür sorgen, dass Dein Lebens­werk weiter pulsieren wird.
Verspro­chen.”

Der Nachruf ist auf artechock.de in voller Länge nachzulesen.

Die Trauerbekundungen in der Anzeige der Süddeutschen Zeitung:

Filmstadt München bei den Filmkunstwochen

Filme zeigen scheint ein großes Hobby der Münchnerinnen und Münchner zu sein, das sich auch manchmal zur Profession auswachsen kann. Über ein Dutzend Filmgruppen sind Mitglied bei der Filmstadt München e.V., die seit über 30 Jahren mit einem bundesweit einzigartigen Projekt zeigt, wie Graswurzelkultur geht.
Drei Mitglieder, CINEMA IRAN, das DOK.fest und die Türkischen Filmtage, stellen sich nun bei den Filmkunstwochen vor. Im Rahmenprogramm präsentiert außerdem das Bollerwagenkino am 15.8. noch einmal eine filmische Stadtführung durch die Innenstadt!

kediDie Türkischen Filmtage kehren in die faszinierende Megalopole Istanbul zurück, die Europa und Asien am Bosporus überspannt. Im gefeierten Dokumentarfilm KEDI führen Katzen in die verborgenen Winkel der Stadt – wer, wenn nicht sie, sollte sonst die geheimen Ecken kennen? (Do 9.8. 18 Uhr, Rottmann)
Zu Gast ist der Architekt und Istanbulkenner Şükrü Akçelik.

CINEMA IRAN zeigt den Wettbewerbsfilm der Berlinale PIG (KHOOK) des iranischen Regisseurs Mani Haghighi. Die Leiterin des Festivals, Silvia Bauer, eine echte Iran-Spezialistin, wird den satirischen Spielfilm einzuordnen wissen. Ja, auch im Iran wird gelacht!

Das DOK.fest ist die beliebteste Veranstaltung unter dem Dach der Filmstadt. In der letzten Woche sind noch einige Filme mit Gästen zu sehen: FRÜHER ODER SPÄTER, So 12.8. 11 Uhr City // ER SIE ICH Mo 13.8. 18 Uhr Rio // B12, Di 14.8. 18:30 Uhr MuLi. Alle Gäste finden Sie hier.

Vorhang auf für 35mm!

Drole de Drame – Ein sonderbarer Fall (c) Lupe 2
Drole de Drame – Ein sonderbarer Fall (c) Lupe 2

Heute steigt die Theatiner Filmkunst in die 66. Filmkunstwochen ein! Den Auftakt der Reihe “Aus Liebe zum Kino” macht Marcel Carnés EIN SONDERBARER FALL (DRÔLE DE DRAME) von 1937.
Inhalt: Ein Botaniker schreibt unter Pseudonym Krimis, die ihm seine Sekretärin erzählt, die sie wiederum vom Milchmann berichtet bekommt. Das macht einen gefährlichen Massenmörder auf den netten Pflanzenfreund aufmerksam.
Donnerstag, 2.8., 18:15 Uhr, Theatiner

Das Festival der Arthouse-Kinos